Dennis Pauler

Medien. Wirtschaft 2.0. Und mehr.

Gesehen: Verblendung (2011) – Spannender Krimi mit Stirnrunzelmomenten

Der Journalist Mikael Blomkvist muss einen tiefen Schlag hinnehmen: Die Informationen, auf denen sein exklusiver Enthüllungsartikel gegen einen schwedischen Großindustriellen beruht, stellen sich als gefälscht heraus. Die folgende Niederlage vor Gericht kostet ihn seinen guten Ruf und fast seine gesamten Ersparnisse. Doch statt in Ruhe seine Wunden lecken zu können schlittert er direkt in einen neuen Fall. Henrik Wanger – ein weiterer Großindustrieller – beauftragt ihn damit, den Verbleib seiner seit 40 Jahren verschwundenen Nichte Harriet zu recherchieren. Als er beim Entwirren der lange vergangenen Ereignisse, in denen ein Serienmörder eine Hauptrolle zu spielen scheint, in eine Sackgasse gerät, erhält er Unterstützung von der freien Ermittlerin und Profi-Hackerin Lisbeth Salander. Sie bringt neuen Schwung in die Recherche, scheint aber ein dunkles Geheimnis zu haben…

„Verblendung“ – im englischen Original „The Girl with the Dragon Tattoo“ – ist bereits die zweite Verfilmung des gleichnamigen Krimibestsellers des schwedischen Autors Stieg Larsson. Im Verlauf des zweieinhalb Stunden langen Films erhält man viele Einblicke in das Gefühlsleben der beiden Hauptcharaktere Blomkvist und Salander, sowie in das Geflecht einer schwedischen Großindustriellenfamilie. Die Handlung ist spannend und packend inszeniert, sodass kaum Langeweile aufkommt. Für Zuschauer die (wie ich) weder das Buch gelesen, noch die erste Verfilmung gesehen haben, wirkt der Film allerdings stellenweise merkwürdig unrund. Beide Hauptcharaktere werden zu Beginn des Films eingeführt, treffen sich aber erst viel später im zweiten Drittel des Films. Was in einem Buch nicht ungewöhnlich ist und oft funktioniert, macht im Film einen merkwürdigen Eindruck und lässt den Kinobesucher lange mit der Frage alleine, was die beiden denn eigentlich miteinander zu tun haben.
Nach dem lang ersehnten Treffen nimmt die Handlung Fahrt auf und steigert sich zur dramatischen Auflösung des Mordfalls. Bösewicht gefasst, Fall aufgeklärt, Happy End – möchte man meinen. Doch dann geht der Film noch etwa eine halbe Stunde mit einer (scheinbaren?) Nebenhandlung weiter, bevor er plötzlich endet (Kenner der Buchfassung des „Herrn des Ringe“ mögen hier einfach mal an die Rückkehr ins Auenland denken). Nach einem kurzen Hinweis meiner Frau (die das Buch gelesen hat), wird mir dann der Zusammenhang klar:

  1. Das Ende leitet auf die Handlung der Teile 2 und 3 über.
  2. Die Hauptstory ist nicht der Mordfall von vor 40 Jahren, sondern die Lebensgeschichte von Lisbeth Salander.

Die Neuverfilmung von „Verblendung“ erscheint mir daher wie ein klassischer Fall von „Stuck in the Middle“: Sie bleibt zu nahe an der Romanvorlage, um das Medium Film richtig zu nutzen und ein eigenständiges Kunstwerk zu werden. Und sie entfernt sich zu weit, um die Art und Weise wie das Buch angelegt ist, für den Zuschauer verständlich zu machen.

Trotzdem: Es bleibt ein spannender Krimi, der trotz US-Adaption erfreulicherweise in Schweden spielt und mit Überraschungen und tollen Charaktermomenten glänzen kann. Für Krimifreunde eine uneingeschränkte Empfehlung – und wer „Verblendung“ schon vom Roman oder vom schwedischen Film kennt, der sollte sich auch die neue Version nicht entgehen lassen.

weitere Informationen zum Film
Titel Verblendung
Genre Thriller
Drehbuch Steven Zaillian (nach Stieg Larsson)
Regie David Fincher
Studio Columbia Pictures, MGM
Veröffentlichung 14. Dezember 2011

www Die offizielle Website zum Film
Amazon.de „Verblendung (2011)“ auf DVD bestellen
Amazon.de „Verblendung (2011)“ auf Blu-ray bestellen
Amazon.de „Verblendung“ als Roman bestellen

 

Flattr this!

Tags: , , , ,


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Zuletzt gedacht

Kategorien