Dennis Pauler

Medien. Wirtschaft 2.0. Und mehr.

Gesehen: Cloud Atlas – Generationen-übergreifender Aufruf für die Freiheit

Der amerikanische Anwalt Adam Ewing reist im 19. Jahrhundert nach erfolgreichem Geschäftsabschluss von einer Pazifikinsel zurück in die USA. Auf dem Schiff freundet er sich mit einem Eingeborenen an, der als blinder Passagier aus der Sklaverei geflohen ist und der bald zu seiner Rettung werden wird.
In den 1930er Jahren arbeitet der junge Robert Frobisher als Assistent des alten Komponisten Vyvyan Ayrs und beginnt bald, ein eigenes Werk zu schreiben: Das Wolkenatlas-Sextett.
40 Jahre später stolpert die Journalistin Luisa Rey über einen Wirtschaftsskandal, bei dem der Tod Millionen Unschuldiger billigend in Kauf genommen wird – und auch sie selbst ist fortan ihres Lebens nicht mehr sicher.
Im England des Jahres 2012 flüchtet der alte Verleger Timothy Cavendish vor den Kumpanen seines im Gefängnis sitzenden Bestseller-Autoren und landet unbeabsichtigterweise in einem Altenheim, bei dem das Auschecken nicht vorgesehen ist. Zusammen mit anderen Bewohnern plant er bald darauf die Flucht.
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In einer postapokalyptischen Welt trifft der steinzeitliche Ziegenhirte Zachry auf Meronym vom hochtechnisierten Volk der Precients. Nach anfängliches Skepsis seitens Zachry machen sich beide schließlich auf die Suche nach den Hinterlassenschaften der Alten und dem Weg in eine bessere Welt.

Sechs Geschichten, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten – zusammen gibt das die Handlung des Films „Cloud Atlas“ nach dem gleichnamigen Roman von David Mitchell. Dabei orientiert sich der Film mal mehr und mal weniger an der Buchhandlung und zeigt großen Mut zur Eigenständigkeit. Am augenfälligsten ist dabei sicher, dass die Geschichten nicht wie in der Buchvorlage nacheinander erzählt werden, sondern mit wechselndem Tempo, zum Schluss aber immer schneller ineinandergeschnitten werden. Dies erlaubt es dem Zuschauer, eine Vielzahl von Parallelen zwischen den Geschichten zu erkennen und führt zu einem sehr spannenden und befriedigendem Ende, in dem alle Handlungsebenen gleichzeitig auf den großen Showdown zueilen.

Anders als man zunächst denken könnte, gibt es von den Parallelen außerordentlich viele. Neben vielen kleinen Anspielungen erfahren zum einen alle Hauptpersonen (außer der ersten natürlich) aus einem Buch, Briefen oder einem Film vom Schicksal der Hauptpersonen der chronologisch jeweils vorherigen Geschichte, zum anderen zeichnet sich alsbald ein einheitliches Oberthema ab: Der Kampf gegen die verschiedenen Arten der Versklavung und Unterdrückung, sei es auf körperlicher, geistiger oder wirtschaftlicher Ebene.
Dass man dabei als Zuschauer den Überblick nicht verliert, sondern die verschiedenen Teile der Geschichten sich harmonisch zusammenfügen zeigt dabei die hohe Kunstfertigkeit der Drehbuchautoren und Regisseure.

„Cloud Atlas“ ist eine Kooperation zwischen den Wachowski-Geschwistern Lana und Andy, die vor allem durch die „Matrix“-Reihe bekannt geworden sind und dem deutschen Tom Tykwer, der schon bei der aufwändigen Romanverfilmung „Das Parfüm“ Regie geführt hat. Zusammen ist ihnen in diesem bislang teuersten deutschen Film (gedreht in den Studios in Babelsberg, sowie in den USA, in Hong Kong und Singapur mit einem Budget von 100 Millionen US-$) ein Hollywood-reifes Epos gelungen das zeigt, dass sich deutsche Produktionen weder inhaltlich noch Effekt-technisch zu verstecken brauchen.
Getragen wird der Film zudem von der in Bestform agierenden Schauspielerriege, wobei die meisten in unterschiedlichsten Rollen in allen Geschichten auftreten. So begegnet uns z. B. ein Tom Hanks als hinterlistigen Arzt der Kolonialzeit und als Eingeborener Zachry, Halle Berry als Luisa Rey und als Meronym, Hugo Weaving als Krankenpflegerin (!) und Fabelwesen „Old Georgie“, sowie viele weitere bekannte Gesichter. Dabei leistet die Maske ganze Arbeit, denn manchmal muss man dreimal hinschauen um zu erkennen, wer dort gerade vor einem steht.

„Cloud Atlas“ zeigt eindrucksvoll, das man mit dem richtigen Ansatz auch einen als unverfilmbar geglaubten Roman einem neuen Publikum zugänglich machen kann – indem man sich nämlich nicht sklavisch an der Buchvorlage orientiert, sondern Geschichte und Erzählweise an das Medium Film anpasst. Herausgekommen ist dabei großartiges Popkornkino, bei dem für jeden etwas dabei ist und mit dem man einen sehr unterhaltsamen Abend verleben kann.

Meine Empfehlung: Unbedingt ansehen – gerne auch ein zweites Mal.

weitere Informationen zum Film
Titel Cloud Atlas
Genre Drama, Krimi, Science Fiction
Drehbuch Tom Tykwer, Andrew Wachowski, Lana Wachowski (nach David Mitchell)
Regie Tom Tykwer, Andrew Wachowski, Lana Wachowski
Studio Cloud Atlas Productions
Veröffentlichung 26. Oktober 2012

www Die offizielle Website zum Film
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