Dennis Pauler

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Gedacht: Ist Jesus von Nazareth zu Christi Geburt geboren?

      1. Der Bericht zum Anhören


Wann war Christi Geburt?

Wann war Christi Geburt?

Der heutige 25. Dezember gilt weithin als der Geburtstag des Jesus von Nazareth. Dieser Tag wurde allerdings erst im 4. Jahrhundert nach Christus ausdrücklich genannt – in der Zeit davor wurde der Geburtstag Jesu u. a. am 25. Mai gefeiert. Letztendlich ist das genaue Datum unbekannt und musste daher auf einen – möglichst symbolträchtigen – Tag festgelegt werden.

Aber wie sieht es mit dem Geburtsjahr aus? Kam Jesus von Nazareth wirklich zu Christi Geburt auf die Welt?

Wenn mit der Geburt Christi tatsächlich exakt unsere Zeitrechnung begonnen hätte, dann hätte seine Geburt am 1.1.0 geschehen sein müssen – also 0 nach Christus, weil das erste Jahr erst mit seiner Geburt begann. Da beginnt jedoch bereits das erste Problem in der genauen Bestimmung der Geburtstermins: Das Jahr 0 existiert in unserer Zeitrechnung nicht, weil auf das Jahr 1 vor Christus direkt das Jahr 1 nach Christus folgt.
Wenn man von dieser mathematischen Unschärfe einmal absieht, scheint die Bestimmung des Geburtsjahr aber recht einfach zu sein – schließlich gibt die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium einige Anhaltspunkte. „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt wurde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.“
Die Geburt fiel also in die Herrschaftszeit des Kaisers Augustus. Dieser regierte von 30 vor Christus bis 14 nach Christus. In dieser Zeit ließ er seinen Besitz mehrfach schätzen. Dies war notwendig, um eine Bemessungsgrundlage für die Steuererhebung zu bekommen, entspricht also aus heutiger Sicht einer Volkszählung mit eingeschlossener Abgabe einer Steuererklärung.
Die im Lukas-Evangelium erwähnte Schätzung fand statt, als Publius Sulpicius Quirinius Statthalter in Syrien war. Quirinius war zwar seit 12 vor Christus im vorderen Orient tätig, wurde aber erst 6 nach Christus zum Statthalter über die Provinz Syrien eingesetzt. Eine seiner ersten Amtshandlungen war eine Bestandsaufnahme – eine Schätzung.
Sind die Angaben im Lukas-Evangelium korrekt, dann fällt die Geburt des Jesus von Nazareth also ins Jahr 6 nach Christus. Nach Matthäus 2, Vers 1 wurde Jesus jedoch zur Zeit des Königs Herodes geboren. Dieser war aber bereits 4 vor Christus gestorben, also Jahre bevor Quirinius Statthalter in Syrien wurde.

Mit der Geschichte um Christi Geburt eng verbunden ist der Bericht über eine ungewöhnliche Sternenkonstellation und der Besuch von Weisen aus dem Morgenland – das neue Testament erwähnt hier übrigens weder die Zahl drei, noch dass es sich um Könige handelte. Die wahrscheinlichste Erklärung für die Sichtung des Sterns von Bethlehem geht auf den Astronomen Johannes Kepler zurück: Dieser vermutete dass das Phanomen durch eine Begegnung der Planeten Jupiter und Saturn ausgelöst wurde, die nur alle 258 Jahre dreimal kurz hintereinander stattfindet. Wenn man anhand heutiger Kenntnisse in die Antike zurückrechnet, kommt man zu dem Schluss, dass dies in den Jahren 8 und 7 vor Christus geschehen sein muss.

Interessant ist hierbei besonders die symbolische Bedeutung dieser Sternenkonstellation: Der Saturn wurde seit jeher mit Syrien verbunden, zu dem auch das Herrschaftsgebiet des Herodes gehörte. Der Jupiter galt im gesamten Nahen Osten als der Stern des Weltenherrschers. Für die antiken Astronomen musste die besondere Sternenkonstellation also bedeuten, dass in Syrien ein neuer Weltenherrscher geboren wurde.

Wurde Jesus also im Jahr 7 vor Christus oder eher im Jahr 6 nach Christus geboren? Das kann heute keiner mehr mit Bestimmtheit sagen – und auch als die ersten Geschichten über sein Wirken niedergeschrieben wurden, dürfte das genaue Geburtsdatum bereits unbekannt gewesen sein. Die ersten Evangelien entstanden 70 bis 80 Jahre nach Christus – zu dieser Zeit dürfte also kaum noch jemand gelebt haben, dem Jesus persönlich bekannt war. Zudem war es in der damaligen Zeit nicht üblich, über die Jugendjahre eines großen Mannes zu berichten, stattdessen wurden seine Taten überliefert.

Um die Geburt Christi entstanden also recht bald Legenden, in denen diese beiden Ereignisse – die Sternenkonstellation und die Volkszählung – mit der Geburt in Zusammenhang gebracht wurden. Die Verbindung mit der besonderen Sternenkonstellation belegte den Glauben der Christen, die Jesus als Weltenherrscher verstanden hatten. Die Erinnerung an die Volkszählung ermöglichte es, dass Jesus von Nazareth in Bethlehem, der Geburtsstadt Davids geboren worden sein konnte. Als Nachfahre Davids konnte er so als Messias angesehen werden, der den Menschen Heil und Gerechtigkeit bringen sollte.

Die Berichte von Jesu Geburt haben also nicht zum Ziel, historisch exakt zu sein – auch wenn die auffällig häufige Verwendung zeitgenössischer Namen dies suggerieren soll. Stattdessen sind sie ein Ausdruck des frühen christlichen Glaubens. Und das tatsächliche Geburtsdatum des Jesus von Nazareth, der unzweifelhaft eine historische Person war, wird wohl auf ewig unbekannt bleiben.

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