Dennis Pauler

Medien. Wirtschaft 2.0. Und mehr.

Benutzt: Competion Pro USB – Ein Joystick-Klassiker kehrt zurück

Es war einmal… So beginnen für gewöhnlich Märchen, Sagen und Legenden. Die Hardware um die es hier gehen soll, ist zwar kein Märchen, aber sie ist legendär: Der Joystick „Competition Pro“. In der goldenen Zeit von C64 und Amiga war dieser Joystick ein treuer Wegbegleiter für viele Spieler – exakt, ausdauernd, verlässlich und nahezu unverwüstlich. Er unterschied sich allerdings stark von den heute am PC verwendeten Steuerknüppeln, denn im Gegensatz zu den modernen Varianten war die Steuerung nicht analog, sondern digital. Dadurch konnten die übertragenen Signale nur zwei Zustände annehmen – an und aus – und Bewegungen nur in ihrer Richtung, nicht aber in ihrer Intensität registriert werden. Analoge Joysticks sind da flexibler und können Bewegungen genauer registrieren – so ist es beim Autofahren beispielsweise durchaus interessant, wie weit man das Lenkrad einschlägt.
Allerdings konnte man an die klassischen Konsolen und Heimcomputer nur digitale Eingabegeräte anschließen, da die technische Umsetzung dafür weniger aufwändig ist. Digitale Joysticks bieten darüber hinaus große Vorteile bei Spielen, bei denen es nur auf die gedrückte Richtung und nicht auf die Intensität ankommt: Sie reagieren viel direkter und präziser – gerade bei klassischen Jump’n’Runs ist das ideal. Mit dem Niedergang dieses Genres war aber auch die Zeit der digitalen Steuerknüppel gekommen und heute bekommt man fast nur noch analoge Exemplare zu kaufen. Aber eben nur fast!

He’s back!

Der Competition Pro USB kommt in einer schönen Schachtel mit Schleife

Der Competition Pro USB kommt in einer schönen Schachtel mit Schleife

Mit dem Competition Pro USB ist inzwischen eine modernisierte Variante des Kult-Joysticks erschienen. Äußerlich unterscheidet er sich fast nicht vom Original – schon alleine die schwarz-rote Farbgebung weckt Nostalgiegefühle. Wie gewohnt besteht er aus einem rechteckigen Boden mit zwei großen runden Feuerknöpfen, auf dem in einer Art Podest ein Stab mit einer Kugel an der Spitze eingelassen ist. Das wirkt auf den ersten Blick nicht sonderlich ergonomisch, aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit kommt man damit sehr gut zurecht. Feuerknöpfe hat der Stab keine, dafür befinden sich zwei weitere kleine Knöpfe auf dem Podest.
Bewegt man den Steuerstab, so trifft man auch hier auf Altbekanntes: Es klickt! Die Mikroschalter – das Geheimnis der Langlebigkeit des Joystick-Klassikers – findet man auch hier, was auf viele vergnügliche Spiele-Jahre hoffen lässt. Stöbert man etwas weiter, dann finden sich jedoch bald die ersten Unterschiede. Der augenfälligste ist das Interface: Das Original wurde über einen der Joystickports der Homecomputer und Spielekonsolen angeschlossen. PCs verfügen über darüber nicht und so mündet das Joystickkabel in der modernen Fassung in einen USB-Stecker.

Auf die Plätze, fertig, los!

Genug der Vorreden – wie schlägt sich der Stick denn im Praxistest? Erfreulicherweise wird der Competition Pro USB beim Einstecken in den Rechner unter Windows XP direkt erkannt, sodass kein zusätzlicher Treiber installiert werden muss und Windows-Programme ihn problemlos ansprechen können.

Die Giana Sisters springen wieder

Die Giana Sisters springen wieder

Da digitale Joysticks vor allem bei den klassischen Heimcomputern und Konsolen eingesetzt wurden, ist der Competition Pro USB natürlich prädestiniert dafür, zur Emulation eingesetzt zu werden.
Der C64-Emulator VICE bietet beispielsweise vorbildliche Unterstützung: Einmal als Steuergerät ausgewählt lässt sich auf einen beliebigen der vier Feuerknöpfe eine Dauerfeuerfunktion legen – und die ist bei Action-Spielen wie dem Klassiker Turrican auch dringend nötig. C64-Spiele lassen sich damit auf dem PC endlich wieder komplett wie in den guten alten Zeiten spielen – mit einem analogen Joystick steht man da oft auf verlorenem Posten und bei dem Spielen mit der Tastatur geht viel des alten Flairs verloren. Der Competition Pro USB reagiert dabei genau wie sein Urvater exakt und direkt, sodass man zielsicher von Plattform zu Plattform springen kann.

Spiele für die Freundin

Turrican 2: Shoot or Die!

Turrican 2: Shoot or Die!

Auch alte Amiga-Spiele können mit Hilfe des Amiga-Emualtors UAE wieder zu ihren Ehren kommen. Wie beim VICE lässt sich der Joystick problemlos als Eingabegerät auswählen – und hier können die vier Feuerknöpfe beliebig konfiguriert werden, sodass z. B. der beim Amiga optional verwendete zweite Feuerknopf nutzbar wird. Weiterhin können beliebige Tasten oder Emulationsoptionen mit einem der Knöpfe ausgelöst werden, sodass das Spielen komfortabel wie nie wird. Für das Spielen gilt das gleiche wie beim C64-Emulator: Der Joystick reagiert wie man es sich wünscht und weckt nostalgische Erinnerungen an die gute alte Zeit. Etwas unschön ist nur, dass die beiden großen Feuerknöpfe sich tiefer runterdrücken lassen als beim Original und dadurch der Rand des Knopf fühlbar wird. Bei einigen Spielen taucht außerdem ein Problem auf: Es lässt sich kein Knopf einzeln mit einer Dauerfeuerfunktion belegen, sodass das Spielen von Actionspielen mitunter recht anstrengend werden kann. Der Competition Pro USB verfügt zwar zusätzlich über einen Schalter, mit dem eine Dauerfeuerfunktion aktiviert werden kann, diese gilt dann jedoch für alle Knöpfe gleichzeitig. Bei Spielen wir Turrican oder Katakis, bei denen ein Gedrückt-halten des Feuerknopf eine andere Funktion auslöst als das schnelle Drücken, bedeutet das, dass die zusätzliche Funktion nicht zur Verfügung steht – und das macht bei den genannten Spielen die Dauerfeuerfunktion quasi wertlos. Beim Competition Pro Star – der Profi-Version des klassischen Joysticks – war das besser gelöst: Dort verfügten zwei der vier Knöpfe standardmäßig über eine Dauerfeuerfunktion, sodass Dauerfeuer und normales Feuer gleichzeitig zur Verfügung standen. Mit einer weiteren Funktion, die nur zwei der vier Knöpfe auf Dauerfeuer schaltet, hätten man das Problem auch in der USB-Variante umgehen können.
Allerdings betrifft das nur wenige Spiele – und die normale Variante des Competition Pro hatte sowieso überhaupt keine Dauerfeuerfunktion.

Modern Times

Durch die problemlose Einbindung in das Windows-System kann der Competition Pro USB auch bei neueren Spielen eingesetzt werden. Für Jump’n’Runs wie „Supertux“ oder „Tower Toppler“ gibt es wohl keine bessere Steuerungsmöglichkeit. Auch aktuelle kommerzielle Spiele wie „Need for Speed Underground 2“, die eigentlich für analoge Joysticks ausgelegt sind, lassen sich steuern – allerdings muss man hier ein paar Einschränkungen in Kauf nehmen, da es bei digitalen Joysticks quasi nur die Wahl zwischen „voll einschlagen“ und „geradeaus“ gibt. Immerhin: Derart scharfe Kurven kann man mit einem gewöhnlichen Joystick nicht fahren – das kann auch ein Vorteil sein.

Fazit

Für den nostalgischen Gamer ist der Competition Pro USB die Erfüllung eines Traumes: Endlich kann man viele Klassiker wieder so spielen, wie es sich gehört und auch moderne Spiele im Flair der alten Zeit lassen sich problemlos steuern. Dadurch dass die vier Knöpfe unabhängig voneinander konfiguriert werden können, können Spiele nach Belieben eingerichtet werden – allerdings hätte man gerade die Konfigurierung der Dauerfeuerfunktion noch flexibler gestalten können. Für aktuelle kommerzielle Spiele ist der Joystick wegen seiner digitalen Funktion nicht ideal, aber er lässt sich auch hier einsetzen.
Von daher gilt: Computerspieler die die „gute alte Zeit“ noch selbst miterlebt haben – oder sich dafür interessieren – können bedenkenlos zugreifen. Für alle anderen könnte sich zumindest die Anschaffung als Zweitjoystick lohnen…

Dieser Bericht erschien ursprünglich auf SF-Radio.net.

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