Dennis Pauler

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Gespielt: Dragon Blade (Wii) – Launige Schwertkämpferei mit Problemen bei der Langzeitmotivation

Gut gegen böse, Hoffnung und Trauer, dazu ein Schuss Mystik – das sind eigentlich die Zutaten, aus denen eine gute Geschichte gemacht wird. Kommt dazu noch ein innovatives Steurungskonzept, so scheint ein Hit vorprogrammiert – doch leider lässt „Dragon Blade“ dafür zu viel an Konsequenz vermissen.

Dal ist eigentlich ein ganz normaler junger Mann. Er wohnt in einem kleinen Dorf und will bald seine Verlobte heiraten. Doch alles kommt anders, als böse Schergen das Dorf angreifen und die Liebste töten. Dal findet das beseelte Drachenschwert und kann die Angreifer in die Flucht schlagen – doch zu spät. Nachdem alles, was ihm etwas bedeutete, zerstört ist, macht er sich auf den Weg, das Böse aus seiner Welt zu vertreiben. Dazu bekämpft er unzählige Monster und sammelt nacheinander die sechs Bestandteile der Drachenschwerts zusammen, das dadurch immer mächtiger wird.

Mit dem Schwert durch’s Land

Viel Feind, viel Ehr'

Viel Feind, viel Ehr'

„Dragon Blade – Wrath of Fire“ für die Nintendo Wii ist ein reinrassiges Hack&Slay-Spiel – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Man steuert die Bewegungen von Dal mit dem Nunchuck und verwendet die Wiimote zum Führen des Schwertes. Dabei gibt es viele verschiedene mögliche Bewegungen: Vom Stoßen über das Streichen, dem Schlag von oben oder unten bis zum Durch-die-Luft-Wirbeln sind verschiedenste Kombinationen möglich. Im Laufe der Zeit kommen zudem immer neue dazu. So lässt sich das Schwert zur Drachenklaue, dem Drachenschwanz oder den Drachenflügeln aufrüsten – wenn auch immer nur für kurze Zeit, denn jeder Einsatz einer Spezialfertigkeit kostet Energie. Diese Energie sowie die unter jedem gegnerischen Schlag schwindende Lebenskraft kann durch sogenannte Splitter wieder aufgeladen werden. Solche Splitter werden manchmal von zur Strecke gebrachten Gegnern fallen gelassen oder finden sich in immer wieder umherstehen Behältern, die Dal zu Kleinholz verarbeiten kann.

„Dragon Blade“ verbindet ein innovatives Steuerungskonzept mit einer klassischen Geschichte vom Kampf zwischen Gut und Böse. Leider ist die Umsetzung in vielen Belangen nur sehr durchschnittlich ausgefallen. Allem voran ist die Steuerung zwar gut gedacht – durch ungenaue Erkennung der Bewegung arten die Kämpfe aber oft wahlweise in ein Glücksspiel oder in wildes Herumgefuchtel aus. Die Kamera bemüht sich meist eher schlecht als recht, das Geschehen im Blick zu behalten. Man kann den Blickwinkel zwar manuell korrigieren – im Inneren von Gebäuden klebt die Sicht dann aber doch gerne mal so eng an der Wand, dass man fast nur noch blind um sich schlagen kann. Dazu kommt, das die Gegner allesamt wenig Intelligenz erkennen lassen. Nachdem Sie in der Regel gruppenweise aus dem Nichts auftauchen – was als „magisches Herbeirufen“ getarnt ist – rennen Sie allesamt auf den Spieler zu, sofern dieser ihnen nahe genug gekommen ist. Der taktische Aspekt der Kämpfe beschränkt sich daher auch darauf, die Gegner nach Möglichkeit einzeln anzulocken.
Um anscheinend genau das zu vermeiden, entstehen immer wieder spontan magische Barrieren um den Spieler herum, die das Kampfgebiet stark eingrenzen. Die zunehmende Zahl und Stärke der Gegner macht ein Einsetzen der Spezialfertigkeiten dann auch bitter nötig.

Eingeschränkte Tristesse

Die Treppe ist heiß umkämpft

Die Treppe ist heiß umkämpft

Aber auch ohne Barrieren mag das Gefühl von Freiheit nur wenig aufkommen. Obwohl die Landschaft oft anderes glauben machen will, so gibt es doch nur wenige begehbare Wege, so dass Dal meist nur einen genau vorgegebenen Weg durch die einzelnen Levels nehmen kann. Versucht man, sich abseits der normalen Pfade zu bewegen, so stößt man irgendwann immer auf sichtbare oder unsichtbare Grenzen.

Die Grafik setzt keine neuen Maßstäbe, ist aber zweckdienlich und hilft mit, den Spieler in die Welt der Drachen eintauchen zu lassen. Auch Musik und Effekte passen gut zum Geschehen – leider sind sie jedoch so abwechslungslos, dass schnell der Wunsch zum Abschalten aufkommt.
Leider bringen auch die zahlreichen Dialoge keine Abwechslung, denn obwohl auf einer DVD mehr als genug Platz sein sollte, werden die Gespräche nur als Texte eingeblendet. Dieses Manko verbindet „Dragon Blade“ mit vielen anderen Wii-Spielen, der konsequente Verzicht auf gesprochene Dialoge bleibt mir aber dennoch unverständlich. Gerade hiermit hätte man die Atmosphäre relativ einfach steigern können.

Fazit

„Dragon Blade – Wrath of Fire“ hat viele gute Ansätze. Das Herumschwingen des Schwertes ist zwar auf die Dauer etwas mühselig, weiß aber durchaus zu gefallen. Hier wird einmal mehr der sportliche Aspekt der Wii betont, denn wenn man einen Level durchspielt, kann man schon etwas außer Atem kommen. Die Geschichte gewinnt zwar keinen Sonderpreis für Originalität, macht aber trotzdem Lust auf mehr.
Leider bleibt das Spiel quasi auf der Hälfte der Strecke stehen. Die einzelnen Elemente wiederholen sich, sodass die Langzeitmotivation leidet. Für eine kurze Runde zwischendurch macht „Dragon Blade“ aber dennoch Spaß. Vielleicht erbarmen sich die Entwickler ja und bauen die gelegte Basis in einem Nachfolger zu einem runden Gesamtkonzept aus – dann könnte hieraus am Ende doch noch ein rundum empfehlenswertes Spiel werden.

Dieser Bericht erschien ursprünglich auf SF-Radio.net.

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