Dennis Pauler

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Gespielt: Earth 2160 – herausforderndes Echtzeitstrategiespiel mit komplexer Einheitenforschung

Wir schreiben das Jahr 2160. Die Erde ist Geschichte. Im Kampf um knapper werdende Ressourcen haben die beiden Supermächte – die „Eurasian Dynasty (ED)“ und die „United Civilized States (UCS)“ – das letzte Mittel eingesetzt und durch den Einsatz von Nuklearwaffen die Erde aus ihrer Umlaufbahn geworfen. Ein kleiner Teil der Menschheit konnte fliehen, der Rest stürzte zusammen mit ihrem Heimatplaneten in die Sonne.
Das Ganze ist inzwischen 10 Jahre her. Die Rettungsschiffe der UCS sind verschollen und die ED kämpft mit der Lunar Corporation (LC) um die wenigen verbliebenen bewohnbaren Orte im Sonnensystem. Wird sich eine der Fraktionen durchsetzen? Oder werden die Menschen sich zusammenraufen und eine gemeinsame Zukunft erschaffen? Und was hat es eigentlich mit den Experimenten um Aliens auf dem Mars auf sich?

Gameplay

Earth 2160 ist ein klassisches Echtzeit-Strategiespiel mit Rollenspielelementen in der Art von Warcraft 3, legt aber bei der Komplexität noch mal einiges drauf. Genre-typisch baut man seine Basis aus und sammelt Rohstoffe, steuert Truppen und Fahrzeuge und kämpft gegen feindliche Einheiten. Für Abwechslung sorgen Erkundungsaufträge, Rettungseinsätze und mehr. Die vier Kampagnen – eine für jede Fraktion – spielen sich dabei sehr unterschiedlich. Die „Eurasian Dynasty“ baut die Gebäude ihrer Basen klassisch nebeneinander, verbunden mit Röhren, die „Lunar Corporation“ fertigt im Orbit und stapelt die produzierten Module zu Türmen, die „United Civilized States“ setzen Drohnen zum Basisbau ein und die Aliens verzichten gleich ganz auf eine Basis und morphen und klonen ihre Einheiten.
Zusätzlich zu den normalen Einheiten wie Infanterie, Panzer und Flugzeuge kann man mit speziellen Figuren – den so genannten Helden – besonders stark zuschlagen oder die Story weiterführen. Zusätzliche Hilfe bekommt man von Söldnern, die hier „virtuelle Agenten“ genannt werden und über verschiedenste Zusatzfähigkeiten verfügen – allerdings muss man diese für ihren Einsatz auch bezahlen. Alle Einheiten können darüberhinaus Erfahrungspunkte sammeln und dann wesentlich besser kämpfen – auf den Einsatz von Kanonenfutter sollte man also nach Möglichkeit verzichten.
Bei der Produktion von Einheiten ist man nicht auf einige wenige vorbestimmte beschränkt, sondern man kann aus allen verfügbaren Technologien und Einzelteilen eigene Fahrzeuge konstruieren, diesen einen eigenen Namen geben und fortan ebenfalls fertigen lassen. Um an neue Technologien und Einheitentypen zu kommen muss man allerdings fleißig Forschung betreiben – an Forschungsmöglichkeiten herrscht kein Mangel.

Technik

Grafisch knüpft Earth 2160 an den Vorgänger Earth 2150 an: Landschaft, Einheiten und Gebäude erscheinen in feinster 3D-Ansicht, die jederzeit gedreht oder für besseren Überblick oder Detailansichten gezoomt werden kann. Die Einheiten- und Gebäudegrafiken stehen vorgerenderten 2D-Grafiken nichts in Detailreichtum nach und die Landschaften sind abwechslungsreich. Da spucken Vulkane und flüssige Oberflächen kräuseln sich im Wind – manchmal kommt allerdings in trostloser Einöde dennoch etwas Langeweile auf. Die Einheiten finden ihren Weg durch die Landschaft problemlos, sind manchmal aber nicht einfach zu entdecken. Hat man ein paar Fußtruppen irgendwo abgestellt, die inzwischen unbemerkt feindlichen Einheiten hinterhergerannt sind, so hat man mitunter Schwierigkeiten, sie wieder zu finden. Positiv fällt dabei die Möglichkeit auf, ein zusätzliches Fenster zu öffnen, mit dem man eine ausgewählte Einheit und ihre Umgebung beobachten kann.
Ein Highlight stellt der realistische Tag-Nacht-Wechsel dar. Während man tagsüber den vollen Überblick hat, dunkelt sich die Landschaft bei Nacht ab und wird nur von Scheinwerfern auf Fahrzeugen und Gebäuden wieder erleuchtet.
Aus den Lautsprechern tönt während des gesamten Spiels stimmungsvolle Musik, die das Geschehen perfekt untermalt und nie langweilig wird. Auch die Effekte sind sehr gut und bei den Sprechern glänzt u. a. der Synchronsprecher von Bruce Willis in der Rolle des Major Falkner.
Der Soundtrack liegt dem Spiel auch gleich auf einer weiteren CD bei, sodass man auch vor und nach dem Spielen der Musik lauschen kann. Auch sonst hat man bei den Beigaben nicht gespart: Das Spiel kommt in einer Pappschachtel mit gedrucktem, dicken Handbuch, einer Forschungsübersichtkarte und einem holographischen Screenshot.

Ein wenig ärgerlich ist, dass das vor dem Spielen eine Aktivierung von Earth 2160 notwendig ist, die im Gegensatz zu Half Life 2 aber auch anonym telefonisch durchgeführt werden kann. Der DVD-Kopierschutz entfällt dadurch zwar, wer jedoch öfter seinen Rechner umbaut und dadurch das Spiel neu aktivieren muss, muss sich nach dem dritten Mal auf Nachfragen einstellen.
Ebenfalls unschön ist die bei Entwickler Deep Silver allmählich zur Gewohnheit werdende Praxis, das Spiel erst beim Kunden fertigzustellen. So ist schon kurz nach dem Release das so genannte „Gold-Upgrade“ auf Version 1.2 erhältlich, dass nur deshalb nicht „Patch“ genannt wird, weil das Wort mittlerweile negativ vorbelastet ist. Schon „The Fall“ vom gleichen Hersteller war erst ab der „Extended Version“ wirklich gut spielbar.

Fazit

Trotz kleinerer Unannehmlichkeiten ist Earth 2160 jedoch ein sehr gut gelungenes, komplexes Echtzeitstrategiespiel, das nicht so schnell langweilig wird. Einsteiger dürften aber auch im einfachsten Schwierigkeitsgrad – nicht zuletzt durch die vielen Forschungsmöglichkeiten – ihre Probleme haben. Dafür können sich Genrefans über massig Aktionsmöglichkeit freuen. Wer die Kampagnen durchgespielt hat, kann sich in Netzwerk- und Online-Matches mit anderen Spielern messen oder mit dem beiliegenden Editor eigene Landschaften entwerfen.
Earth 2160 ist auf jeden Fall einen Blick wert. Spieler, die neu im Echtzeitstrategie-Genre sind, sollten etwas Zeit mitbringen – wem Starcraft aber schon immer viel zu simpel war, der kann hier blind zuschlagen.

Dieser Bericht erschien ursprünglich auf SF-Radio.net.

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