Dennis Pauler

Medien. Wirtschaft 2.0. Und mehr.

Gespielt: Freedom Force vs. The Third Reich – Superheldencomic-Strategie-Rollenspiel mit packender Story

Superhelden haben’s schwer – den ganzen Tag fliegt man durch die Gegend und erledigt einen Schurken nach dem anderen. Doch zum Glück kann auch die Freedom Force einmal Urlaub machen. Nachdem die übernatürliche Truppe die Superschurken „Time Master“ und „Nuclear Winter“ hinter Schloß und Riegel gebracht hatte, konnten die Helden endlich mal wieder ihrem Privatleben nachgehen – auch wenn das meist weniger spannend ist.
Doch wie so oft kommt es anders als man denkt: „Nuclear Winter“ ist ausgebrochen und hat „Time Master“ gleich mitgenommen. Also muss sich die Freedom Force um den außerirdischen „Mentor“ wieder versammeln, um dem Bösen erneut das Handwerk zu legen. Doch das ist nicht so einfach, wie es zunächst den Anschein hat. Zwar kann die Truppe seinen Versuch, die ganze welt in die atomare Katastrophe zu führen in letzter Sekunde vereiteln, doch auch andere dunkle Mächte haben ihre Hände im Spiel. Mit Hilfe von „Time Master“ gelingt es dem Schurken „Blitzkrieg“, dem 3. Reich die Quelle der Superkräfte zur Verfügung zu stellen: Energie X. Dass das furchtbare Konsequenzen hat ist genauso klar wie die Tatsache, dass die Freedom Force dabei nicht untätig zusehen kann. Um die alte Zeitlinie wieder herzustellen schickt Mentor einige Mitglieder der Freedom Force in die Vergangenheit – und damit fängt das Abenteuer erst richtig an.

Die Ladepausen werden passenden (fiktiven) Comic-Covern aufgelockert

Die Ladepausen werden passenden (fiktiven) Comic-Covern aufgelockert

„Freedom Force vs. the 3rd Reich“ ist ein Echtzeit-Strategie-Rollenspiel, dass sich ganz dem Flair der Superhelden-Comics aus den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts widmet. Hier wie dort sind Helden und Schurken durch eine überzeichnete Schwarz-Weiß-Einteilung klar als solche zu erkennen und es wird nicht gerade sparsam mit Superkräften umgegangen. Das Intro und einige Zwischensequenzen des Spiels sind sogar vollkommen im Stil dieser Comics gehalten, sodass Liebhaber von Superhelden-Comics hier in jeder Beziehung auf ihre Kosten kommen.
Wie im Vorgänger „Freedom Force“ aus dem Jahr 2002 werden jedoch keine klassischen Helden auf den Bildschirm gezaubert, sondern es wurden neue Helden im klassischen Stil geschaffen. Dies bringt viel Abwechselung, vor allem weil die Charaktere größtenteils sehr gelungen sind und sich klar voneinander unterscheiden. Der feurige „Diablo“ beispielsweise ist ein Frauenheld mit spanischem Akzent, der ein Faible für Action hat. „Minute Man“ ist ein furchtloser Verteidiger der Freiheit mit unübersehbaren Anleihen von „Captain America“. Der Spiderman der Gruppe heißt „The Ant“ und verfügt über Ameisensuperkräfte. Daneben gibt es noch den verschmitzten orientalischen Geist „Green Genie“, die leicht bekleidete „Eve“, den pfeilschnellen „Bullet“ – die Liste ist schier endlos.

Zu den Waffen!

Die Superheldentruppe durchquert allerlei abwechslungsreiche Orte

Die Superheldentruppe durchquert allerlei abwechslungsreiche Orte

Im Spiel selbst muss man in allerlei Missionen die Kräfte der Truppe gegen das Böse einsetzen, das oft genug selbt über beträchtliche Machtmittel verfügt. Erschwert wird das Ganze dadurch, dass man nur maximal vier Helden pro Mission einsetzen kann – allerdings kann man sich die Charaktere oft selbst aussuchen, wobei es immer auf die richtige Mischung ankommt. Damit sich dabei kein Alltagstrott einschleicht, stehen in einigen Missionen nicht alle Helden zur Verfügung und es kommen im Laufe des Spiels immer wieder neue Helden hinzu.

Die Schlachten zwischen Gut und Böse werden in einer schicken 3D-Landschaft ausgetragen, die aus der Schräg-Draufsicht gezeigt wird. Die Sicht kann dabei jederzeit gedreht und gezoomt werden, sodass man das Geschehen immer im Blick hat. Darüber hinaus ist die Landschaft nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern kann im Kampf eingesetzt werden. Herumliegende Gegenstände wie Ölfässer oder Autos können durch die Gegend geworfen werden und wenn ein Gebäude die Sicht versperren sollte – kein Problem: Einfach lange genug draufschlagen und schon bricht es zusammen. Man sollte allerdings darauf achten, dabei keine Zivilisten zu Schaden kommen zu lassen, da das Prestigepunkte kostet, mit denen neue Helden angeworben werden können und die erst mühsam verdient werden müssen. Buchstäblich alles kann verwendet werden – wie cool ist es beispielsweise, den Schurken einfach mit einer aus dem Boden gerissenen Ampel die Köpfe einzuschlagen? Trotz vielfältiger Comic-Gewalt bleibt das Geschehen jedoch unblutig und besiegte Helden und Schurken sterben nicht, sondern bleiben einfach bewusstlos liegen.

Gelungene Aktionen werten lautmalerisch begleitet

Gelungene Aktionen werten lautmalerisch begleitet

Die Kämpfe erinnern an eine Mischung aus Warcraft 3 und Icewind Dale. Ganz in Echtzeitstrategie-Manier führt man seinen Trupp in die Schlacht, kann dabei aber die vielfältigen Superkräfte einsetzen und das Geschehen jederzeit pausieren, um die Taktik und die eingesetzen Kräfte zu optimieren – und das ist auch bitter nötig. Zwischen den Missionen können die Charaktere dann mit gewonnenen Erfahrungspunkten ihre Fähigkeiten ausbauen – allerdings haben die Missionen kaum einen Einfluss auf die Erfahrung. So erhalten beispielsweise auch Helden, die man in keiner einzigen Mission eingesetzt hat Erfahrungspunkte, während manche kampfgestärkte Recken leer ausgehen. Die Story ist sehr abwechslungsreich und wird von Comic- und Ingame-Zwischensequenzen spannend weitererzählt. Leider trifft dies auf das Missionsdesign nicht in gleichem Maß zu, da sich viele Missionen in ihrem Aufbau recht ähnlich sind – auch wenn das durch die spannende Geschichte oft nicht auffällt.

Die Technik

Die Grafik kann mit modernen 3D-Shootern nicht mithalten, ist aber zweckdienlich und trotzdem schön anzuschauen – besonders die erwähnte Möglichkeit, wirklich alles zu manipulieren trägt zur Glaubwürdigkeit der Spielwelt bei. In die Lippensynchronität der Charaktere hätten die Entwickler allerdings etwas mehr Aufwand investieren können.

Die Geschichte wird während der Missionen immer wieder durch kleine Zwischensequenzen weiter erzählt

Die Geschichte wird während der Missionen immer wieder durch kleine Zwischensequenzen weiter erzählt

Auf der Sound-Seite herrschen gemischte Gefühle vor: Die Geräusche sind gut und vielfältig, dafür ist die Musik manchmal recht eintönig und lädt zum Abschalten ein. Die Sprachausgabe ist erste Klasse – allerdings liegt sie nur im englischen Original vor. Während der Dialoge werden zwar auf Wunsch deutsche Untertitel eingeblendet, aber das verwirrt oft mehr als es nützt, da man sich nur schwer auf beides gleichzeitig konzentrieren kann. Inhaltliche Übersetzungsfehler in den Untertiteln und die unterschiedlichen Bezeichnungen der Superkräfte in Dialogen und Menüs machen das Verstehen nicht einfacher. Spieler mit guten Englischkenntnissen sollten daher lieber gleich zur englischen Version greifen, um Verwirrungen vorzubeugen.
Auf der anderen Seite hat die englische Sprachausgabe natürlich den Vorteil, dass man genau erkennen kann, wann von der gegnerischen Seite die deutsche Sprache verwendet wird – hier stoßen die Sprecher allerdings an ihre Grenzen. Während man den deutschen Akzent noch gut als solchen erkennen kann, haben die komplett deutschen Sätze mit dem Original nicht viel zu tun. Vielleicht hätte man hier doch besser auf richtige deutsche Sprecher setzen sollen.

Zusätzlich zur spannenden Single-Player-Kampagne gibt es auch einen so genannten „Rumble“-Modus, bei dem man in einem schnellen Match mit einigen Charakteren gegen den Computer antreten kann, wobei hier keine Unterscheidung mehr zwischen guter und böser Seite gemacht wird. Wer will kann sich aus den vorhandenen Fähigkeiten auch einen eigenen Superhelden basteln und mit ihm oder gegen ihn antreten. Auch eigene Charaktermodelle werden zukünftig möglich sein – die Modder-Szene steht bereits in den Startlöchern.
Ein Mehrspielermodus ist ebenfalls vorhanden. Hierbei kann man sogar eigene Missionen mit Story-Hintergrund zusammenbauen und im LAN oder im Internet mit anderen Spielern bestreiten.

Fazit

Alles in allem macht das Spiel sehr viel Spaß und wird so manche durchzockte Nacht verursachen. Wer Icewind Dale nur wegen der Kämpfe gespielt hat, wird von diesem Spiel begeistert sein – und Superhelden-Comic-Fans können sowieso unbesehen zugreifen. Auch alle anderen sollten dem Spiel eine Chance geben, sofern sie mit der Thematik auch nur irgend etwas anfangen können – denn noch nie hat es so viel Spaß gemacht, seine Macht zu zeigen.

Dieser Bericht erschien ursprünglich auf SF-Radio.net.

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