Dennis Pauler

Medien. Wirtschaft 2.0. Und mehr.

Gespielt: Shadowgrounds – Iso-3d Alienhatz für bis zu vier Spieler

      1. Der Bericht zum Anhören, gesprochen von Sebastian Hensel


Wir schreiben das Jahr 2096. Die Menschheit hat durch Terraforming auch Lebensräume außerhalb der Erde erschlossen. Auf dem Jupitermond Ganymed entstand eine Kolonie, die inzwischen 8000 Menschen beherrbergt. Kleinere Zwischenfälle warfen den Aufbau zurück, konnten den Willen der Menschen aber nicht brechen. Alles läuft seinen Gang – bis plötzlich…

Wesley Tyler, der nach einigen Unfällen vom Sicherheitsexperten zum einfachen Mechaniker degradiert worden war, macht sich auf dem Weg, um nachzusehen, was los ist. Mit seinen beiden Kollegen stellt er die Energieversorgung wieder her – aber wie sich herausstellt, war der Stromausfall das kleinste Problem.

Monströse Wesen, halb Mensch, halb Maschine, machen sich in der Siedlung breit und metzeln alles nieder, was ihnen in den Weg kommt. Ob da der Militärkonzern IGTO seine Finger im Spiel hat?

Das Gameplay

Die beindruckenden Schatteneffekte tragen viel zur düsteren Atmosphäre bei.

Die beindruckenden Schatteneffekte tragen viel zur düsteren Atmosphäre bei.

Der Spieler übernimmt die Rolle von Wesley Tyler und kämpft sich – meist alleine – durch Massen von Gegnern – angefangen von recht harmlosen Spinnen bis zu extrem unabgenehmen Oberbossen, die aus allen Rohren auf Wesley schießen. Zum Glück ist dieser nicht wehrlos und findet auf seinem Weg durch die Siedlung bis zu 10 verschiedene Waffen, die außerdem noch aufgerüstet werden können. Und das ist auch nötig, denn einfach ist die Monsterhatz auch auf der niedrigsten Schwierigkeitsstufe nicht.

In allgegenwärtige Action mischt sich – bedingt durch die Stromversorgungsprobleme – grusel-erzeugende Dunkelheit, die oft nur durch spärliche Lichtquellen und Tylers Taschenlampe aufgehellt wird. Klappernde Lüftungsschächte, platzende Lampen und plötzlich auftauchende Gegener tun ihr übriges.

Die Geschichte wird durch Zwischensequenzen, Funksprüche und Computerlogbücher weitererzählt, allerdings schafft es die Geschichte nur selten, packend und mitreißend zu sein. Viel zu oft ist das Geschehen nur ein Vehikel für weitere Action. Zu Tyler und seinen Mitstreitern bleibt man distanziert und kann keine echt Beziehung zu ihnen aufbauen. Auch Tylers bemüht coole Sprüche beim Aufsammeln neuer Waffen helfen da nicht weiter.

Die Grafik

Die Geschichte wird sowohl während der Handlung...

Die Geschichte wird sowohl während der Handlung...

Das Geschehen wird Genre-untypisch aus der Vogelperspektive gezeigt – was in Kampfsituationen mit vielen Gegnern die Übersicht allerdings beträchlich erhöht. Die Ansicht lässt sich jederzeit mit oder gegen der Uhrzeigersinn drehen, was manchmal aber auch verwirrend sein kann. Insbesondere da Tyler gerne mal an Ecken und Kanten hängen bleibt, sind Schwenks während des Kampfgeschehens daher mit Vorsicht zu genießen.
Die Figuren und das Gelände sind hinreichend detailliert. Ein besonderes Highlight – im wahrsten Sinne des Wortes – ist Tylers Taschenlampe, die verblüffend realistische Schatten auf die Szenerie wirft, sodass man mitunter versucht ist, auch auf eigenartige Schatten das Feuer zu eröffnen.

Der Sound

...als auch in Zwischensequenzen weitergeführt.

...als auch in Zwischensequenzen weitergeführt.

Die Sound-Effekt sind zahl- und abwechslungsreich. Die Musik passt sich dem Geschehen gut an und hat das Zeug zur Filmmusik – allerdings erinnert die Instrumentierung teilweise an gute alte General-Midi-Zeiten. Hier hätte man durchaus noch ein wenig Geld in bessere Sound-Librarys investieren können.
Die Sprache ist solide, ausgerechnet beim Hauptcharakter vermag sie aber nicht sonderlich zu überzeugen. Die „coolness“ wirkt oft schlicht unbeteiligt.

Multiplayer

Die Abenteuer auf Ganymed muss man nicht unbedingt alleine bestehen – man kann auch mit bis zu drei Mitspielern gemeinsam auf Monsterjagd gehen. Das macht viel Spaß, offenbart aber viele Probleme: Der Multiplaymodus wirkt wie in letzer Minute ins Spiel eingebaut. Die Missionen gleichen denen im Einzelspielermodus, nur dass sie mit vervierfachter Feuerkraft natürlich wesentlich einfacher sind. Dafür entfällt die Möglichkeit zum automatischen Drehen der Ansicht und da alle vier Spieler immer gleichzeitig im Bild sein müssen, leidet die Übersicht beträchlich. Gerade im Kampf mit vielen Gegnern weiß man oft nicht mehr, wo eigentlich der eigene Charakter steht und in welche Richtung man schießt – was tödliche Folgen haben kann.
Gespeichert werden kann nur am Anfang eines Levels – während der Mission stehen dafür mehrere „Respawns“ zur Verfügung, mit denen man ein wenig früher im Level nochmal neu ansetzen kann. Besonders im Multiplayermodus muss man aber aufpassen, nicht versehentlich einen vorher erspielten Fortschritt zu überschreiben.

Fazit

Auch im Team kann man gegen die Monster vorgehen.

Auch im Team kann man gegen die Monster vorgehen.

Shadowground ist ein Action-Spiel in der Tradition von Klassikern wie Alien Breed. Es verbindet das 2d-Spielkonzept mit moderner 3d-Grafik, Horror-Atmosphäre und bettet es in eine Geschichte ein. Leider verschenkt das Spiel dabei viel Potential. Das Spiel beschränkt sich im wesentlichen auf das „Durch-den-Level-Rennen“, wie schon zu Zeiten der Alienbrut. Der Deja-Vu-Effekt verstärkt sich noch, wenn bei vielen Gegnern das Geschehen ins stocken gerät und jedes taktisches Vorgehen damit zum Glücksspiel wird – ganz so wie einst bei der Überlastung der Grafikchips des seligen Amiga 500.

Trotz allem macht die Monsterjagd viel Spaß. Wenn die Entwickler noch die gewöhnungsbedürfte Steuerung, die gelegentlichen Grafikhänger und die mangelnde Identifikation mit den Charakteren verbessern, könnte hier noch ein echter Hit entstehen. Ich freue mich auf jeden Fall schonmal auf ein eventuelles Shadowgrounds 2 – und bis dahin werde ich erstmal weiter fleißig Spinnen und anderes Ungetier zu Kleinholz verarbeiten. Ha! Sterbt!!!

Dieser Bericht erschien ursprünglich auf SF-Radio.net.

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