Dennis Pauler

Medien. Wirtschaft 2.0. Und mehr.

Gelesen: Perry Rhodan Neo, Staffel 1 (1-8) – Perry, der Anti-Held?

Wir schreiben das Jahr 2036. Die Krisen der vergangenen Jahrzehnte haben sich zugespitzt. Finanzkrisen, Klimawandel und Terrorismus sorgen für zunehmende Spannungen zwischen den Staaten, Kriegsangst liegt in der Luft. In dieser Lage entdeckt die NASA nach dem rästelhaften Verstummen der Mondbasen einen Hinweis auf ein außerirdisches Raumschiff, das auf dem Mond gelandet ist. Major Perry Rhodan erhält den Auftrag, zusammen mit seiner Crew und der Raumkapsel Stardust auf dem Mond nach dem Rechten zu sehen.
Perry Rhodan und seinem Kopiloten Reginald Bull (genannt „Reg“) gelingt es, Erstkontakt mit den Außerirdischen – den Arkoniden – herzustellen und eine erste, zarte Annäherung zu erreichen. Zusammen mit Crest da Zoltral, dem todkranken wissenschaftlichen Leiter der Arkonidenexpedition, kehren sie zurück auf die Erde. Ihr Ziel: Crest mit Hilfe irdischer Mediziner zu heilen und gleichzeitig mit seiner Hilfe eine Zeitenwende herbeizuführen. Rhodan sagt sich von den USA los und ruft die Menschheit auf, sich zu vereinen und zusammen mit ihm eine unabhängige Stadt „Terrania“ aufzubauen. Doch damit fangen die Probleme erst an, denn keiner der Machtblöcke der Erde will sich die Chance auf Vorherrschaft durch außerirdische Technologie nehmen lassen.
Auch an anderer Stelle werfen große Ereignisse ihren Schatten voraus: Was haben ein Ex-Mitarbeiter von Homeland Security (Allan D. Mercant), ein Ex-Investmentbanker und jetziger Streetworker, der sich um einen Haufen Jugendlicher mit besonderen Begabungen kümmert (John Marshall) und ein schwerreicher, exzentrischer Milliardär (Homer G. Adams) gemeinsam? Sie alle glauben an die von Rhodan propagierte Zukunft und setzen sich gemeinsam dafür ein, ihn zu unterstützen. Und Rhodan hat diese Unterstützung bitter nötig…

Perry Rhodan beginnt von vorne – im Jahr 2036. Wer bisher von einer Handlung von über 2600 erschienenen Romanen davon abgeschreckt war, mal einen Blick auf die größte Science-Fiction-Romanserie zu werfen, der bekommt hier eine neue und frische Gelegenheit. Der „neue“ Perry Rhodan kommt zeitgemäß daher; die Geschichten sind spannend, voll Charakterentwicklung und kompliziert. Wo früher einfache Lösungen (bessere Technik, bessere Waffen) angesagt waren, da ist heute nichts mehr einfach. Perrys scheint zu einem Fiasko zu führen und nur durch die Mithilfe vieler Gleichgesinnter kann verhindert werden, dass sein Traum von der geeinten Menschheit ausgeträumt ist, bevor er richtig begonnen hat. Statt eines starken Mannes, der im Alleingang die Menschheit eint, ist der neue Perry Rhodan ein leicht naiver Visionär, der die Geister nicht mehr los wird, die er gerufen hat. All das passt sehr gut in die heutige Zeit, wirkt aber auf alte Perry-Fans etwas verstörend.

Die Autoren um Exposéautor Frank Borsch leisten durchweg gute Arbeit, jeder Roman macht Lust auf mehr. Nur eins ums andere Mal scheint die Vielzahl der Handlungsfäden den Autoren selbst zu entgleiten. Beispiel: In Heft 4 „Ellerts Vision“ taucht der namensgebende Ernst Ellert erst relativ spät auf, schafft es am Ende spektakulär zu Rhodan zu gelangen – und wird dann in den folgenden 4 Heften nicht mehr erwähnt. Glücklicherweise bleiben solche Fauxpas die Ausnahme, auch wenn die Komplexität der Geschichte dem Leser mehr Aufmerksamkeit abverlangt als die Originalfassung aus den 1960ern.

Im Format hat sich der Verlag vom Heftroman abgewandt und veröffentlicht „Perry Rhodan Neo“ als zweiwöchentlich erscheinende Taschenhefte mit geklebtem Rücken und einem Umfang von 162 Seiten. Das modern wirkende und bereits mit der Neuauflage der „Perry Rhodan Planetenromane“ erprobte Format liegt gut in der Hand und macht es einfacher, den Roman mitzunehmen und in der Hand zu halten.

„Perry Rhodan Neo“ ist sowohl für Perry-Altleser, als auch für Neueinsteiger einen Blick wert. Man muss kein Science-Fiction-Liebhaber sein, um Spaß an den Geschichten zu haben, die nahe an unserer heutigen Lebenswirklichkeit sind. Und auch für diejenigen, die bereits das ganze bisherige Perryversum verschlungen haben ist es sehr spannend, einen neuen und frischen Blick auf bekannte Ereignisse und Charaktere zu werfen. Schaut doch mal rein! Und wer Heft 1 nicht mehr auftreiben kann, der kann mit dem gerade erschienenen Band 9 direkt in die zweite Staffel einsteigen.

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