Dennis Pauler

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Gespielt: Simon the Sorcerer 4 – Rückkehr zu alten Tugenden

      1. Der Bericht zum Anhören, gesprochen von Jan Boysen


Simon ist eigentlich wie die meisten Jugendlichen: respektlos und genervt von Eltern und Schule, immer im Streit mit seinem kleinen Bruder. Nur dass außer Simon wohl kaum jemand einen Dimensionsreisekleiderschrank in seinem Zimmer hat…

Eines Tages erreicht Simon ein Hilferuf aus der Zauberwelt, und da nutzt er natürlich sofort die Chance, der Langeweile zu entkommen. In der Zauberwelt angekommen trifft er auf seine alte Flamme Alix. Die ist jedoch nicht sonderlich froh ihn zu sehen und macht mit ihm Schluss. Eigenartig nur, dass Simon sich nicht erinnern kann, mit ihr zusammen gewesen zu sein.

Schnell wird ihm klar, dass ein Doppelgänger sein Unwesen treiben muss – und der Kerl ruiniert nicht nur Simons schlechten Ruf, sondern er führt insgeheim auch Böses im Schilde. Leider glaubt ihm niemand, dass er eigentlich das Original ist – Alix eingeschlossen – und so muss Simon erstmal nach Beweisen suchen. Dass er zwischendurch von seinem Doppelgänger in den Kerker geworfen wird, kann ihn dabei nur kurzzeitig aufhalten…

Simon in 2,5 Dimensionen

Die Beziehung von Simon und Alix schlägt Kapriolen

Die Beziehung von Simon und Alix schlägt Kapriolen

Simon the Sorcerer ist wieder da. Nach dem zurecht gefloppten dritten Teil der Serie, der mit mieser 3d-Grafik und vermurkster Steuerung die Fans abgeschreckt hat, kehrt die Adventure-Serie mit Teil 4 „Chaos ist das halbe Leben“ zurück zu ihren Wurzeln. Die bewährte Point-and-Click-Steuerung und eine kombinierte 3d/2d-Grafik im Stil der ersten Teile lässt alte Zeiten wieder aufleben.

Und obwohl die Schöpfer der Serie diesmal nur eine beratende Rolle hatten, gilt dies auch für die Story. Simon hat immer einen unmöglichen Spruch auf den Lippen und trifft auf viele alte Bekannte. Darunter ist neben dem inzwischen schon mehr als scheintoten Zauberer Calypso auch der in Fankreisen sehr beliebte Sumpfling. Und einmal mehr muss Simon einen Weg finden, vor dessen Ekel erregender Sumpfsuppe zu flüchten.

Simons Doppelgänger lässt ihn in den Kerker werfen

Simons Doppelgänger lässt ihn in den Kerker werfen

Die Zauberwelt ist diesmal wieder sehr schön anzusehen. Wunderschöne Hintergründe und gut animierte 3d-Figuren fügen sich ineinander, ohne dass ein Teil wie ein Fremdkörper wirkt, wie das noch bei Monkey Island 4 der Fall war. Schmetterlinge, Vögel und allerlei andere Tiere bringen Leben in die Umgebung. Leider wiederholen sich deren Animationen aber recht bald und die Aktionen der Dorfbewohner beschränken sich meist auch nur auf das Herumstehen.

Beim Sound stehen sehr gute und zahlreiche Effekte auf der Haben-Seite. Die Musik hält sich allerdings stark im Hintergrund. Sie stört nicht, fällt aber auch nicht positiv auf und ist wenig abwechslungsreich.

Das Spiel hilft mit

Viele Figuren stehen für Gespräche zur Verfügung

Viele Figuren stehen für Gespräche zur Verfügung

Das Rätseldesign ist solide und sollte erfahrene Abenteurer kaum vor große Probleme stellen. Dazu trägt auch die stark vereinfachte Steuerung bei, die sich wirklich auf das sprichwörtliche „Point and Click“ beschränkt. Beim Anwählen eines Gegenstands oder einer Person wird automatisch die richtige Aktion ausgewählt, Auswahlmöglichkeiten entfallen.

Wer im Spielen von Adventures ungeübt ist, findet außerdem im eingebauten Tagebuch immer eine Liste der anstehenden Aufgaben und kann sich dort auch für die meisten Aufgaben bis zu drei Tipps geben lassen. Die geben zwar auch nicht die konkrete Lösung, bringen den Spieler aber in der Regel auf den richtigen Weg.

Simon the Sorcerer 4 ist ein klassisches Adventure im modernen Gewand – und vielleicht gerade deshalb zeigt es auch einige typische Adventure-Schwächen. Simon läuft mitunter bizarre Umwege, um von einem Punkt zum anderen zu kommen und die Rätsel-Lösungen sind meist recht eindimensional. Ein Beispiel: An einer Stelle im Spiel benötigt man ein Gefäß mit Wasser. Warum kann man hier nicht den im Inventar befindlichen Kessel am Brunnen mit Wasser füllen? Warum kann man nicht den im Inventar befindlichen Eimer im Fluss mit Wasser füllen? Einfache Antwort: Weil man diese Gegenstände später noch für etwas anderes benötigt. Aus Designersicht klar – für den Spieler weniger.

Auch der Sumpfling ist wieder mit dabei - und seine Sumpfsuppe...

Auch der Sumpfling ist wieder mit dabei - und seine Sumpfsuppe...

Der skurile Humor der Vorgänger blitzt ab und zu noch durch, man merkt jedoch deutlich, dass der 4. Teil nicht mehr in Großbritannien, sondern in Deutschland entwickelt wurde. Dafür beschäftigt sich das Spiel stärker mit den einzelnen Charakteren, so dass kaum eine Figur noch zum Statisten abgestempelt wird, sondern die meisten wirklich eine Rolle spielen. Und obwohl der Humor weniger bizarr als früher ist, bekommen wieder viele Märchen, Filme und diesmal sogar Politik und die Gaming Community ihr Fett weg.

Fazit

„Simon the Sorcerer: Chaos ist das halbe Leben“ erzählt eine phantasievolle Geschichte, die mit vielen kleinen und großen Rätseln gespickt ist. Das Spiel präsentiert sich als familienfreundliches Adventure, dass auch Eltern mit ihren Kindern spielen können, wobei alle dabei viel Spaß haben. Und Adventure-Enthusiasten und Simon-the-Sorcerer-Fans können eh blind zugreifen.

Dieser Bericht erschien ursprünglich auf SF-Radio.net.

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