Dennis Pauler

Medien. Wirtschaft 2.0. Und mehr.

Gehört: Mind – dystopische Zukunftvision vom gläsernen Bürger

      1. Der Bericht zum Anhören


Berlin im Jahr 2020. Die Arbeitslosigkeit ist auf knapp 11 Millionen gestiegen, Probleme in der Wasserversorgung und mörderische Hitze bringen vielen Menschen den Tod, bei Ausschreitungen kommt es regelmäßig zu Massenverhaftungen, in der Presse herrscht Zensur.
In diesem Umfeld geht die idealistische Journalistin Nora Fischer ihrer unbefriedigenden Arbeit nach. Kritische Stimmen werden unterdrückt, auch ein Bericht über neue Ausweis-Chips, die in den Nacken implantiert werden, muss durchweg positiv ausfallen.
Mit der Ruhe ist es für Nora jedoch bald vorbei. Eine rätselhafte E-Mail bringt sie auf die Spur eines Projekts, neben dem „Big Brother“ aus 1984 wie ein Waisenknabe aussieht: Verborgen gehaltene Zusatzfunktionen in den Ausweis-Chips führen Deutschland auf den Weg in die Totalüberwachung, bei der kein noch so geheimer Gedanke mehr verborgen bleibt.
Bald wird Nora klar, dass das Ende des Lebens, wie wir es kennen droht – und die Öffentlichkeit ahnt nichts…

„Mind“ ist ein düsteres Science-Fiction-Hörspiel, das aktuelle Trends fortschreibt. E-Mail- und Telefon-Überwachung, Speicherung von Telekommunikationsdaten, Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen und auf der Autobahn – da ist die Überwachung der Gedanken selbst nur der nächste logische Schritt. Dieser Ansatzpunkt wird eingebettet in eine spannende Geschichte rund um Noras persönliches Schicksal und das Schicksal der gesamten Menschheit. Temporeiche Action, philosophische Unterhaltungen und gefühlvolle Szenen wechseln sich ab und sorgen dafür, dass man sich mit den Hauptpersonen identifiziert und mit ihnen mitfühlt. Die ausgezeichneten Sprecher – viele davon Schauspieler – sorgen dafür, dass auch lange Texte nie langweilig werden.

Die Effekte sind zahlreich und unterstreichen die Szenen gekonnt, dabei wird die Handlung durch ein grandioses Stereo-Panorama sehr plastisch. Die düstere Musik unterstützt die beklemmende Atmosphäre, auch wenn ihr Einsatz manchmal etwas bruchstückhaft ist.

Abzüge in der B-Note gibt es für immer wieder auftretende Story-Löcher, in denen sich Dinge einfach nur deshalb ereignen, damit die Geschichte den angepeilten Weg weiter gehen kann. Ebenfalls sorgen gelegentliche Anschlussfehler für kurzzeitige Verwirrung, z.B. wenn Nora plötzlich einen ungewöhnlichen Namen buchstabieren kann, den sie nie zuvor geschrieben gesehen hat.

All das tut der Spannung jedoch keinen Abbruch. „Mind“ ist ein handwerklich gut gemachtes Hörspiel mit einer beklemmenden, aber stets spannenden Story, die zum Nachdenken über aktuelle gesellschaftliche Tendenzen anregt. Produziert wurde es von „Hearoic„, die schon durch die das Masters-of-the-Universe-Hörspiel „Eine Falle für He-Man“ bekannt wurden und selbst bekennende Hörspiel-Fans sind – und das merkt man auch. Also: Zugreifen!

Dieser Bericht erschien ursprünglich bei SF-Radio.net.

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