Dennis Pauler

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Gedacht: Der Endorianische Holokaust – die böse helle Seite der Macht?

      1. Der Bericht zum Anhören, gesprochen von Maren Pauler


Es war eine Zeit der Freude – doch sie währte nicht lange. Die Explosion des zweiten Todessterns am Ende von Star Wars Episode 6 bedeutete das Ende des Imperiums und einen Sieg für die Rebellen. Doch die Explosion einer Raumstation mit mehreren Hundert Kilometern Durchmesser hatte furchtbare Folgen für den Waldmond Endor. Da der Todesstern in einem niedrigen Orbit stand, wurden viele der zum Teil Tonnen-schweren Trümmer von der Gravitation des Mondes eingefangen und regneten auf die Oberfläche herab. Viele Ewoks starben bereits durch den Aufprall der Trümmer – die anderen gingen in einem langen tiefen Winter, der durch die Unmengen aufgewirbeln Staubs verursacht wurde und schließlich das gesamten Ökosystems zusammenbrechen ließ, langsam zugrunde. Was nicht erfror, wurde durch radioaktive Strahlung aus den Kraftwerken des Todessterns verstrahlt. In die Geschichte ist diese Tragödie eingegangen als der Endorianische Holokaust.

Zumindest in Fankreisen.

Der Endorianische Holokaust ist eine von Fans aufgestellte Theorie, die sie aus den Ereignissen in „Star Wars Episode 6 – Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ abgeleitet haben. Das Überleben der Rebellen und die Ruhe bei der Jubelfeier wird durch Eingriffe der Rebellenflotte erklärt – allerdings hätte auch das nur einen kurzfristigen Effekt gehabt. Gegen den langen Winter hätten auch sie nichts ausrichten können.
Dass in den Star Wars Büchern, die nach Episode 6 spielen nicht auf die Katastrophe eingegangen wird, wird mit einer großangelegten Vertuschung erklärt – denn als „die Guten“ können die Rebellen es sich schließlich nicht leisten, durch Bekanntwerden der Vernichtung eines ganzen Volkes ihre Sympathien aufs Spiel zu setzen.

Gegner der Theorie des Endorianischen Holokausts führen an, dass in Episode 6 zwischen der Zerstörung des Todessterns und der galaxisweiten Feier mindestens mehrere Stunden vergangen sein müssen. Trotzdem sind am Nachthimmel von Endor die Sterne zu sehen, das heißt kein Staub hängt in der Atmosphäre. Auch das weitere offizielle Material unterstützt nicht die Annahme, dass Endor irreparabler Schaden zugefügt wurde.

In dem Buch „Inside the Worlds of the Star Wars Original Trilogy“ wurde schließlich angegeben, dass die Schiffe der Rebellen verhinderten, dass der Großteil der Trümmer Endor erreichen konnte. Dies wird in einer der Star Wars Comics noch weiter ausgeführt: In einer Bar spricht einer der imperialen Endor-Veteranen die Holokaust-Theorie an – ein anderer Barbesucher tut sie aber als Mythos ab, denn der größte Teil der Masse des Todessterns sei bei der Explosion verstrahlt und die Rebellen hätten sich um den Rest gekümmert.

Die wahrscheinlichste Erklärung ist allerdings, dass George Lucas sich gar keine großen Gedanken über das Problem gemacht hat – und auch nicht machen wollte. Physik ist wichtig, aber in einem Film zählt die Geschichte meistens mehr. Die meisten Physiker werden schon das laute Geräusch eines im Vakuum vorbeifliegenden Tie-Fighters nicht hinnehmen – aber ein physikalisch korrektes Star Wars würde viel von seiner Faszination einbüßen. Auch in der Ausgabe 76 des Star Wars Insider kann man dazu lesen: „Es ist nur ein Film. Und ein Film mit einem Happy End.“

Dieser Bericht erschien ursprünglich bei SF-Radio.net.

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