Dennis Pauler

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Gedacht: Captain Future – Der Groschenroman, der zur Kultzeichentrickserie wurde

      1. Der Bericht zum Anhören, gesprochen von Maren Pauler


Wer kennt nicht die Zeichentrickserie aus den 80ern mit Captain Future, seiner Crew und seinem Raumschiff Comet? Kaum einer weiß aber, daß es sich dabei nicht einfach um eine Kinderserie handelt, sondern daß sie auf Romanen von Edmond Hamilton aus den Pulp Magazinen der 40er basiert. Captain Future, „Man of Tomorrow“, „Wizard of Science“, ein Phänomen seit über 60 Jahren…

Captain Future – Wer ist das?

Captain Future heißt mit bürgerlichem Namen eigentlich Curtis Newton und ist der Sohn von Elaine und Roger Newton. Seine Eltern flohen vor seiner Geburt vor einem skrupellosen Wissenschaftler namens Victor Corvo, der Newtons Forschungsergebnisse über künstliche Lebensformen stehlen und mißbrauchen wollte, im Jahr 1991 auf den Mond. In der Abgeschiedenheit der lebensfeindlichen Umgebung kam schließlich der kleine Curtis zur Welt.
Zusammen mit Professor Simon Wright, der zu dieser Zeit schon nur noch als lebendes Gehirn existierte, schuf Newton den Roboter Grag und den Androiden Otto. Nach dem erfolgreichen Abschluß ihrer Forschungen glauben die Newtons sicher auf die Erde zurückkehren zu können – aber es kam anders und Victor Corvo ermordete Elaine und Roger. Bevor er jedoch auch Curtis und Simon umbringen konnte, nahmen Grag und Otto grausame Rache an ihm.
Gemäß dem letzten Wunsch seiner Mutter wuchs Curtis in der Sicherheit des Mondes auf. Die wissenschaftliche Bildung von Simon und das körperliche Trainingsprogramm von Grag und Otto verliehen ihm einzigartige Fähigkeiten. Erst als er volljährig wurde erzählte Simon ihm vom tragischen Tod seiner Eltern.
Curtis stand vor der Entscheidung mit Hilfe seiner Fähigkeiten ein normales und bequemes Leben zu führen oder gegen das Unrecht im Sonnensystem zu kämpfen – er entschied sich für letzteres, um dafür zu sorgen, daß das Sonnensystem eine Zukunft hat. Aus diesem Wortspiel heraus wählte er sein Pseudonym „Captain Future“.

Das Abenteuer beginnt

Fortan erlebt Captain Future ein Abenteuer nach dem anderen. Er wird zum Freund des Weltraumpolizisten Ezella Garnie und zum Helfer in der Not für die gesamte Menschheit. Im ersten Roman trifft er auf den Herrscher von Megara, der die Macht über den gleichnamigen Planeten an sich reißen will und unliebsame Menschen in Affen verwandelt. Future kann ihn stellen und lernt bei dieser Gelegenheit auch den Jungen Ken Scott und die schöne Agentin Joane Lenda kennen. Seine Reisen führen ihn im Folgenden auch in die Vergangenheit, in fernste Sonnensysteme bis an die Quelle der Materie, in den Mikrokosmos und in ein Paralleluniversum – kurzum: Science Fiction vom Feinsten – und das bereits Anfang der 40er Jahre!

Die Bilder lernen laufen

Fast vier Jahrzehnte später wurden dann schließlich 14 der Romane als DIE Anime-Serie verfilmt, die wohl jeder, der in den 80ern aufgewachsen ist, zumindest einmal gesehen hat. Ein besonderes Highlight der deutschen Fassung ist die komplett neu erstellte Musik von Christian Bruhn, die auch heute noch ins Ohr geht.

Leider wurde bei Synchronisierung aber nicht überall mit der gleichen Liebe zum Detail vorgegangen, wie bei der Musik. So enthält der Text viele Fehler, Zeitangaben und Entfernungen ändern sich von einem auf den anderen Moment und die Begriffe Sonnensystem, Milchstraße und Galaxis werden regelmäßig durcheinander geworfen – was aber sicherlich auch damit zusammenhängt, dass Hamiltons Romane ursprünglich fast ausschließlich in unserem Sonnensystem spielen. Das war Ende der 70er aber anscheinend nicht mehr galaktisch genug, und so wurde die Handlung größtenteils in andere Systeme verlegt.

Ein weiteres großes Problem der deutschen Fassung sind die mehr als großzügigen Schnitte. Die japanische Serie besteht aus 52 Folgen mit je 25 Minuten und einem Serienspezial, wobei vier Folgen zusammen eine Geschichte erzählen. In der deutschen Fassung wurden die vier Folgen von 100 auf 75 Minuten heruntergeschnitten und dann in drei Folgen aufgeteilt. Es fehlt also bei jeder Folge – bis auf einer, die vollständig ist – 25 % der Handlung. Ärgerlich.

Im Jahr 2003 erschien die Serie hierzulande auf DVD, allerdings leider auch nur die geschnittene Fassung. Wer des französischen mächtig ist, der kann allerdings unter dem Namen „Capitaine Flam“ die komplette Serie auf DVD erstehen.

Der Kult lebt

Captain Future ist Kult pur. Der makellose Held war ein Vorbild für viele Jungen und Mädchen, die inzwischen längst das Erwachsenenalter erreicht haben. Fans der Serie treffen sich immer wieder zu „Captain Future Filmnächten“, bei denen mehrere Folgen auf einer großen Leinwand gezeigt werden und man zusammen mit anderen Freunden der Comet und ihrer Crew über die Geschichten reden und philosophieren kann. Schaut Euch doch mal um – vielleicht gibt es ja auch „Captain Future Nacht“ in Eurer Nähe!

Dieser Bericht erschien ursprünglich bei SF-Radio.net.

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