Dennis Pauler

Medien. Wirtschaft 2.0. Und mehr.

Gesehen: Bernd das Brot (Serie) – Das schlechtgelaunte Brot wird häuslich

      1. Der Bericht zum Anhören


Bernd hat es weit gebracht. Vom Testkandidat in der Verkaufsshow „Tolle Sachen“ wurde er zum Weltenbummler, der in der ganzen Welt Abenteuer erlebt. Tentakel im Tollhaus, Geister in der Gruft – Bernd kennt sie alle, wenn auch eher unfreiwillig. Eigentlich ist er ja eher ein ruhiger Zeitgenosse, der von Aufregung nichts hält. Seine Freunde Briegel der Busch und Chili das Schaf sind jedoch völlig anderer Ansicht und schleifen ihn von einem Abenteuer zum nächsten.
Da war es an der Zeit, dass Bernd einen Rückzugsort findet, an dem er in Ruhe die Wand anstarren kann. Dieser kommt in Gestalt eines Hauses in der Schlossallee, das ihm sein verstorbener Onkel Bornhelf vermachte. Bernd zieht kurzerhand aus seiner Mietwohnung in die Schlossallee. Allerdings kann er Chili und Briegel die Bitte nicht abschlagen, bei ihm einzuziehen – und damit ist das Chaos vorprogrammiert.
Bei der obligatorischen Einweihungsfeier lernen die drei erst einmal ihre neuen Nachbarn kennen: Frau Dr. Dr. Potzler ist der Prototyp der peniblen Nachbarin und verachtet jede Art von Unordung – auch ihr Mann und ihre Tochter haben dem wenig entgegenzusetzen. Der angeberische Antonio ist ein Snob durch und durch und prahlt bei jeder Gelegenheit. Einzig Herr Mickelhuhn und seine Kinder Biggi und Basti bringen ein wenig Normalität in die Nachbarschaft.
Die Einweihungsparty verläuft nichtsdestotrotz recht gut. Als Antonio dann aber eine der sensiblen Erfindungen von Briegel beleidigt, nimmt das gewohnte explosive Chaos seinen Lauf…

Bernd das Brot hat endlich eine Heimat gefunden. Obwohl man in der letzten Staffel von ChiliTV schon seine Wohnung und Briegels Wohnung sehen konnte, wirkte die Welt des Brotes doch oft recht gestückelt. Die neue Serie bemüht sich nun, mit Bernds Haus und den Nachbarn mehr Kontinuität zu wahren. Das gelingt schon im Staffelauftakt recht gut, wenngleich einige Fragen unbeantwortet bleiben: Was ist aus Bernds Testbildsammlung geworden? Arbeiten die drei Freunde noch beim KiKa? Und was ist aus den beliebten Nebenfiguren wie den Blues Broters, Frau Ulf oder Briegels Erzrivale Frank N. Stein geworden?
Die Geschichten sind nach den zum Teil sehr hintergründigen Berndivents wieder kindgerechter geworden und erstmals gehören auch drei Kinder zur Stammbesetzung. Damit besinnt sich das Autorenteam der Bumm-Film wieder mehr auf Bernds Wurzeln als Teil des Kinderprogramms. Leider bleibt dabei viel der liebgewonnenen Skurilität auf der Strecke: Die Zahl der sinnlosen, aber lustigen Explosionen hat stark abgenommen und liebgewonnene Marotten wie Briegels Faible für Frauenkleider sind aus der Sendung verschwunden. Auch die Suche nach mystischen Artefakten oder verrückte Clips wie „Briegels Labor“ haben in dem neuen Format keinen Platz mehr. Bernd verliert damit seine Sonderstellung als Alternative zum etablierten Kinderprogramm und kehrt als wöchentliche Serie mit durchgehender Handlung auf den Bildschirm zurück. Gleichwohl tut das neue Format der Charakterentwicklung und der Kontinuität gut – beides blieb bisher ja leider oft auf der Strecke.
Technisch bleibt die Serie auf dem hohen Niveau der vorangegangenen Berndivents. Aufwändige Kulissen und ausgefeiltes Puppenspiel lassen den Zuschauer vergessen, dass er es „nur“ mit einer Puppenserie zu tun hat – hier könnte sich die Konkurrenz ein paar große Scheiben abschneiden.

Bernd das Brot geht in jeder Beziehung neue Wege. Wie erfolgreich die neue Richtung ist, wird sich zeigen. Die Serie hat gute Voraussetzungen, sich im Kinderprogramm fest zu etablieren. Und wenn auch ein wenig der alten Skurilität noch Eingang in das Programm findet, dann können auch die großen Kinder weiterhin ihren Spaß haben.

Dieser Bericht erschien ursprünglich auf SF-Radio.net.

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