Dennis Pauler

Medien. Wirtschaft 2.0. Und mehr.

Gedacht: Eine kurze Geschichte der Piraterie

      1. Der Bericht zum Anhören, gesprochen von Ralf Pappers


Wenn man an Piraten denkt, dann kommen einem meist direkt finstere Gesellen mit Augenklappe auf Segelschiffen aus der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends in den Sinn. Doch die Piraterie hat schon viel früher begonnen.

Der älteste Beleg für Piratenaktivitäten stammt aus dem 14. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Korrespondenzen des Herrschers von Zypern aus dieser Zeit belegen Piraten an der kleinasiatischen Südküste, deren Heimat in der heutigen Südwest-Türkei gelegen haben soll. Homer schilderte in seinen Werken aus dem 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung Piraterie als Haupterwerb – und dies war in keiner Weise ehrrüchig, sondern eine ganz normale Art, Geld zu verdienen. Selbst Odysseus führte mehrere Kaperfahrten durch. Dass im frühen Griechenland Piraterie gang und gebe war, lässt sich auch am Wort selbst erkennen. Das Wort „Pirat“ geht zurück auf das griechische „peiratés“ und bedeutet „Angreifer“.

Auch die Römer bekamen es mit Piraten zu tun: Schon im 3. Jahrhundert vor Christus mussten sie Piraten in der Adria bekämpfen. Der noch junge Julius Cäsar wurde im Jahr 75 vor unserer Zeitrechnung von Piraten gefangen genommen und kam nur gegen Lösegeld frei. 67 vor Christus störten die Piraten massiv die römische Getreideversorgung und griffen mehrere Städte an.
Als Reaktion darauf wurde ein eigenes Gesetz erlassen und eine Strategie zur Bekämpfung der Piraten entwickelt. Sie war erfolgreich und so konnte die großflächige Organisation der Seeräubergruppen zerschlagen werden. Nach dem Zerfall des römischen Reichs lebte die Piraterie jedoch wieder auf.

In Deutschland gelangte vor allem Klaus Störtebeker zu Berühmtheit. Ende des 14. Jahrhunderts waren die so genannten Gleichteiler unter seiner und anderer Führung eigentlich für den Kampf gegen Dänemark angeheuert worden. Sie verselbständigten sich jedoch und wurden zu gefürchteten Seeräubern, die die Nord- und Ostsee unsicher machten.

Ab dem 16. Jahrhundert kam zu Kriegszeiten zunehmend die Freibeuterei in Mode. Um nicht nur die Kriegsflotte zu schädigen, sondern auch den Handel der Gegner zum Erliegen zu bringen, wurden staatliche Kaperbriefe ausgestellt. Diese erlaubten es den Freibeutern, gegnerische Handelsschiffe auszurauben. Lediglich ein Anteil von 10-20 % musste an den Staat abgeführt werden. Einer der bekanntesten Freibeuter war Francis Drake.
In Friedenszeiten kam es jedoch oft dazu, dass auch eigene oder verbündete Schiffe angegriffen wurden und aus Freibeutern gewöhnliche Piraten wurden.

Das 16. und 17. Jahrhundert war die Zeit, in der die Piraterie am erfolgreichsten war. Neben den Freibeutern erschwerten die an der Nordküste Afrikas beheimateten Korsaren den Seehandel im Mittelmeer erheblich. Für Staaten auf dem Gebiet des heutigen Algerien, Tunesien und Libyen war Seeräuberei bis ins 18. Jahrhundert die Haupteinnahmequelle. Schon seit dem 17. Jahrhundert gingen die europäischen Seemächte allerdings zunehmend gegen die Korsaren vor. Ihr endgültiges Ende war die Eroberung Algeriens durch Frankreich um 1830.

Die Piraten der Karibik des 16. Jahrhunderts wurde Bukanier genannt. Ihre Ursprünge haben sie wahrscheinlich in gescheiterten Freibeutern und abtrünnigen spanischen Matrosen. Die meisten waren friedliche Herdenbesitzer. Von Zeit zu Zeit kaperten sie jedoch spanische Schiffe, um dem spanischen Königshaus zu schaden. Zwei ihrer berümtesten Stützpunkte waren Tortuga und Port Royal.
Nachdem Spanien mit England Ende des 17. Jahrhunderts Frieden schloss, ging auch die Zeit der Bukanier zuende.

Mit der Erfindung der Dampfschiffe, die nicht mehr auf gute Windverhältnisse angewiesen waren, war schließlich das Ende der „klassischen“ Piraterie gekommen. Durch die höhere Wendigkeit war es einfacher, Piraten zu entkommen. Die Seeräuber selbst konnten nicht auf Dampfschiffe zurückgreifen, weil diese nur an ganz bestimmten Häfen anlegen konnten.

Die Piraterie ist aber nicht ganz verschwunden. „Moderne“ Piraten machen auch heute noch die Meere unsicher. Von Seeräuberromantik ist dabei nichts geblieben – die heutigen Piraten sind militärisch bewaffnet und bestens organisiert…

Dieser Bericht erschien ursprünglich bei SF-Radio.net.

Flattr this!

Tags: ,


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*

Zuletzt gedacht

Kategorien