Dennis Pauler

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Gedacht: Missing Links – Löcher in der Evolution?

      1. Der Bericht zum Anhören


Die Evolutionslehre von Darwin ist inzwischen ja allgemein anerkannt – sogar die katholische Kirche hat vor nicht allzu langer Zeit die Ablehnung der Evolutionslehre aufgegeben. Im 19. Jahrhundert war die Skepsis aber noch wesentlich größer und Gegner der Theorie schienen berechtigte Zweifel vorbringen zu können: Im Stammbaum der Arten klafften Löcher. So war z. B. unklar, wie sich die Vögel scheinbar sprungartig aus den Reptilien entwickeln konnten oder wie die Wale als Säugetiere ins Meer kommen konnten. In den Stammlinien schien es fehlende Verbindungen zu geben – so genannte „Missing Links“. Die Kreationisten, die davon ausgehen, dass die gesamte Tier- und Pflanzenwelt in ihrer bekannten Form geschaffen wurde und sich eben nicht entwickelt hat, sahen darin einen Beweis für ihre These.

Der Archaeopteryx

Der Archaeopteryx

Dann gelangen allerdings spektakuläre Funde von fossilen Zwischenwesen, die Merkmale gleich zweier Abstammungslinien enthielten. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr der so genannten „Übergangsformen“ gefunden – im Englischen nennt man auch diese weiterhin „Missing Links“ – sodass der Übergang zweier Abstammungslinien für die Evolutionslehre heute kein Problem mehr darstellt.

Ein spektakulärer Fund war das Fossil des Archaeopteryx – zu Deutsch „Urvogel“, der den Übergang von den Reptilien zu den Vögeln verkörperte. Er besaß bereits einen Vogelschädel und Flügel mit Federn, hatte aber noch Finger mit Krallen, einen langen knöchernen Schwanz und einen Kiefer mit Zähnen statt eines Schnabels. Ob der Archaeopteryx richtig fliegen konnte, ist nicht eindeutig festzustellen. Der Schultergürtel und das Brustbein des Urvogels waren nämlich nicht verbunden – dies ist jedoch wegen der Belastung eine Voraussetzung für den Vogelflug. Der Engländer Yalden vermutete dass er mit seinen Krallen auf Bäume klettern und von dort heruntergleiten konnte.

Das Schnabeltier (Foto: Stefan Kraft, verwendet unter CC BY-SA 3.0)

Das Schnabeltier (Foto: Stefan Kraft, verwendet unter CC BY-SA 3.0)

Das Schnabeltier ist eine Übergangsform zwischen Reptilien und Säugetieren und lebt heute noch in Australien. Es sieht ein wenig aus wie ein plattgedrückter Biber mit Schnabel, hat Schwimmhäute zwischen den Zehen und ist etwa einen halben Meter lang. Wie jedes Säugetier hat es Haare, Milchdrüsen und Gehörknöchel, legt aber noch Eier, verfügt über eine Kloake – als einen gemeinsamen Ausgang der Geschlechts- und Ausscheidungsorgane – und hat mit 32 Grad Celsius eine ungewöhnlich niedrige Körpertemperatur. Früher wurde das Schnabeltier wegen seines Felles gejagt – man sollte sich aber nicht ohne Grund mit ihm anlegen. Es verfügt nämlich über einen Giftsporn, der bei Menschen zu mehrere Monate anhaltenden Schwellungen und beispielsweise bei Hunden zum Tod führen kann.

Der Quastenflosser

Der Quastenflosser

In einer Tiefe von 150 bis 400 Metern haben die eigentlich schon für ausgestorben gehaltenen Quastenflossler überlebt. Sie stellen eine Übergangsform zwischen den Knochenfischen und den Amphibien dar und verfügen über Fischschuppen, und Kiemen, gleichzeit aber auch über fünfgliedrige knöcherne Extremitäten, können zusätzlich über eine aus der Schwimmblase entwickelte primitive Lunge atmen und scheiden Harnstoff aus. Erst 1938 wurde ein modernes, aber bereits totes Exemplar gefangen. 1954 konnte das erste lebende Exemplar entdeckt werden und 1987 wurden die Quastenflossler erstmal mit Hilfe eines Tauchbootes in ihrem natürlichen Lebensraum in einer Tiefe von 198 Metern entdeckt.

Neben den angesprochenen Übergangsformen gibt es noch viele weitere, z. B. die Oomyceten, die eine Übergangsform zwischen Pflanzen und Pilzen darstellen und Vorfahren der heutigen Wale, die einst in der Gestalt heutiger Hunde im Uferbereich auf der Lauer lagen. Die Natur hält also viele Überraschungen für den Menschen bereit – und vielleicht werden ja noch weitere „Missing Links“ entdeckt…

Dieser Bericht erschien ursprünglich bei SF-Radio.net.

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